Was ist Arbeit?
Arbeit heißt es im Duden* in schöner Einseitigkeit, ist „jede planmäßige menschliche Tätigkeit, die auf Erzielung von Einkommen zur Bedarfsdeckung gerichtet ist.“ Und wir sprechen im Alltag gerne von Menschen, besonders von Müttern, die wieder oder nicht mehr arbeiten! Meinen aber eigentlich, die wieder oder nicht mehr erwerbstätig sind. Der absolute Vorrang für alle Tätigkeiten, die mit Geld entlohnt werden, die Dominanz des Ökonomischen, hat eben alle anderen, für die Gesellschaft genauso wichtigen Tätigkeiten in den Hintergrund gerückt. Erwerbstätigkeit steht immer mehr im Zentrum unserer Lebensplanung. Sie wird als Maßstab und Taktgeber für alle anderen Lebensbereiche akzeptiert. Aber ist diese Gewichtung sachgerecht?
Schließlich sind es zuallererst Versorgen und Fürsorgen, die die Leistungsgesellschaft fit und zukunftsfähig halten. Sie werden ihrerseits aber nicht als wirtschaftliche Leistung wahrgenommen. Weder die unbezahlte Arbeit im Familienbereich noch die im sozialen Ehrenamt. Dabei verwenden die Bürger etwa gleichviel Zeit für Erwerbsarbeit und für den sozialen Bereich – Frauen mehr im sozialen und Männer mehr im Bereich der Erwerbsarbeit. (Zeitbudget Studie des Statistischen Bundesamtes). Und das Bundesverfassungsgericht betont in einer Entscheidung vom Februar 2002 die Gleichwertigkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jedoch, das Maß für die wirtschaftliche Leistung unserer Volkswirtschaft, misst nur den Gesamtwert aller bezahlten Güter (Waren und Dienstleistungen), die im Inland hergestellt werden. Treffend und provozierend verdeutlichte schon der Nationalökonom Friedrich List (1789 – 1846) die Situation in Bezug auf Familien wie folgt: „Wer Schweine erzieht ist ein produktives und wer Menschen erzieht ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft“
Um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft wieder mehr auch auf diejenigen Arbeiten zu lenken, die wir im privaten Bereich leisten, die aber auch von Außenstehenden übernommen werden können, könnte man sie in volkswirtschaftlichen Rechnungen mit dem Lohn bewerten, der z. B. einer Haushälterin, einem Au-Pair oder einem Gärtner gezahlt wird. „Diese Bewertung würde dazu führen, dass sich unsere gesellschaftlichen Kenngrößen - wie etwa das Bruttoinlandsprodukt - um bis zu zwei Drittel erhöhen würden“, meinen Statistik-Experten.
Als Senator Robert Kennedy sich 1968 um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten bewarb, sagte er in einer Rede u. a. folgendes über das Bruttoinlandsprodukt:
„(Es) erfasst nicht die Gesundheit unserer Kinder, nicht die Qualität ihrer Ausbildung und nicht die Freude ihres Spielens. Es enthält nicht die Schönheit unserer Dichtung und nicht die Stärke unserer ehelichen Bindungen, es enthält nicht die Intelligenz der politischen Diskussionen und nicht die Integrität der öffentlichen Verwaltung. Es misst weder unseren Mut, noch unsere Weisheit, noch unsere Hingabe zu unserem Land. Kurz gesagt misst es alles, bis auf die Dinge, die das Leben lebenswert machen.“
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